Die eigene Rolle im Betrieb mitgestalten
Willkommen in der Ausbildung. Das erste Lernfeld legt das Fundament für alles, was kommt. Du lernst, wie Wirtschaft funktioniert, wie ein Betrieb aufgebaut ist und welche Rechte und Pflichten du als Azubi hast. Klingt nach trockener Theorie, ist aber das Gerüst, an dem du dich die nächsten drei Jahre festhältst.
Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht
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Bedürfnisse, Bedarf, Güter
Warum überhaupt gewirtschaftet wird
Wirtschaft beginnt mit einem Bedürfnis, einem Gefühl des Mangels (Hunger, ein Dach über dem Kopf, ein neues Handy). Wird ein Bedürfnis mit Kaufkraft hinterlegt, also mit Geld, das man ausgeben will, spricht man von Bedarf. Der Bedarf, der am Markt auftritt, ist die Nachfrage.
Stufe 2 · die BedürfnispyramideNach Maslow ordnen sich Bedürfnisse in Stufen. Erst kommen die existenziellen, dann die höheren:
Alles, was ein Bedürfnis befriedigt, ist ein Gut. Man unterscheidet vor allem freie Güter (unbegrenzt und kostenlos, etwa Luft) und wirtschaftliche Güter (knapp, müssen erarbeitet werden). Wirtschaftliche Güter teilt man weiter in materielle (Waren) und immaterielle (Dienstleistungen, Rechte).
Bedürfnis, Bedarf, Nachfrage, das ist eine Treppe, kein Synonym. Ein Bedürfnis hat jeder (ich hätte gern ein Auto). Bedarf wird daraus erst mit Kaufkraft (ich kann es bezahlen). Nachfrage wird daraus erst am Markt (ich gehe es kaufen). Wer diese drei Stufen sauber trennt, beantwortet die erste Prüfungsfrage in jedem Wirtschaftsteil richtig. Die meisten werfen sie durcheinander.
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Produktionsfaktoren und Unternehmen
Womit gewirtschaftet wird, welche Ziele zählen
Die volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren sind Boden (Grund, Rohstoffe), Arbeit (menschliche Leistung) und Kapital (Maschinen, Geld). In der Betriebswirtschaft kommt der Betriebsmittel-, Werkstoff- und dispositive Faktor (Leitung, Planung) hinzu.
Stufe 3 · das ökonomische PrinzipWeil Güter knapp sind, wirtschaftet man nach dem ökonomischen Prinzip:
Maximalprinzip
Mit gegebenem Einsatz den größtmöglichen Ertrag erzielen.
Minimalprinzip
Ein festes Ziel mit dem kleinstmöglichen Einsatz erreichen.
Unternehmen verfolgen Ziele: wirtschaftliche (Gewinn, Umsatz), aber auch soziale und ökologische. Nach Größe und Haftung unterscheidet man Rechtsformen (siehe Bereich 4).
Maximal heißt: gegebener Einsatz, maximaler Ertrag. Minimal heißt: gegebenes Ziel, minimaler Einsatz. Der Trick: Was fest vorgegeben ist, steht am Anfang. Beim Maximalprinzip ist der Einsatz fest, beim Minimalprinzip das Ziel. Was man maximieren oder minimieren will, ist das jeweils andere. Wer sich merkt, was feststeht, verwechselt die beiden nie.
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Der Wirtschaftskreislauf
Wie Geld und Güter durch die Wirtschaft fließen
Im einfachen Wirtschaftskreislauf gibt es nur Haushalte und Unternehmen. Sie tauschen zwei gegenläufige Ströme: Die Haushalte geben Arbeit und bekommen Lohn, die Unternehmen geben Güter und bekommen Geld dafür.
Der erweiterte Kreislauf nimmt weitere Akteure dazu: Banken (Sparen und Kredite), den Staat (Steuern und Subventionen) und das Ausland (Import und Export). So entsteht ein realistisches Bild der Wirtschaft.
Im Kreislauf fließt immer ein Güterstrom in die eine, ein Geldstrom in die andere Richtung. Das ist der Schlüssel: Wo Ware hingeht, kommt Geld zurück, und umgekehrt. Wer das verstanden hat, kann jeden Pfeil im Schaubild selbst beschriften. In der Prüfung musst du oft einen Kreislauf ergänzen, und mit dieser Regel triffst du jeden Pfeil richtig.
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Der Betrieb rechtlich
Kaufmann, Firma, Handelsregister, Rechtsform
Der Kaufmann nach HGB ist nicht der Ausbildungsberuf, sondern ein Rechtsbegriff: ein Gewerbetreibender, der ein Handelsgewerbe betreibt. Die Firma ist dabei nicht das Unternehmen selbst, sondern sein Name, unter dem es im Geschäftsverkehr auftritt und im Handelsregister eingetragen ist.
Stufe 3 · die Rechtsformen im ÜberblickEinzelunternehmen
Eine Person, volle Haftung auch privat. Einfach zu gründen.
Personengesellschaften (OHG, KG)
Mehrere Personen, mindestens einer haftet voll. Persönliche Bindung.
Kapitalgesellschaften (GmbH, AG)
Eigene juristische Person, Haftung beschränkt aufs Gesellschaftsvermögen.
Die Rechtsform wird in Lernfeld 9 vertieft, wenn es um Finanzierung und Haftung geht. Hier reicht der Überblick.
Die Firma ist der Name, nicht die Firma im Alltagssinn. Im Alltag sagen wir Firma und meinen das ganze Unternehmen. Im Recht ist die Firma nur der Name, unter dem der Kaufmann seine Geschäfte macht und unterschreibt. Dieser kleine Unterschied wird in der Prüfung gern als Stolperstein eingebaut. Wer ihn kennt, fällt nicht darauf rein.
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Deine Ausbildung
Vertrag, Rechte und Pflichten, duales System
Deine Ausbildung läuft an zwei Orten: im Betrieb (die Praxis) und in der Berufsschule (die Theorie). Das nennt man duales System. Geregelt wird es durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Ausbildungsordnung.
Stufe 2 · der Ausbildungsvertrag
- Deine Pflichten: lernen, sorgfältig arbeiten, Berichtsheft führen, Weisungen befolgen, Betriebsgeheimnisse wahren.
- Deine Rechte: Ausbildungsvergütung, Urlaub, Freistellung für die Schule, vermittelt bekommen, was zur Ausbildung gehört.
- Pflichten des Betriebs: ausbilden, vergüten, freistellen, ein Zeugnis ausstellen.
Das Jugendarbeitsschutzgesetz schützt Azubis unter 18 (Arbeitszeit, Pausen, keine Nachtarbeit). Im Betrieb vertreten dich der Betriebsrat und speziell die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV).
"Nennen Sie zwei Pflichten des Auszubildenden und zwei des Ausbildenden." Azubi: lernen und Berichtsheft führen. Betrieb: ausbilden und vergüten. Diese Gegenüberstellung aus dem Berufsbildungsgesetz ist ein sicherer Punkt, wenn du sie sauber den beiden Seiten zuordnest.
Dein Ausbildungsvertrag ist kein Kleingedrucktes, sondern dein gutes Recht. Viele Azubis kennen ihre eigenen Rechte nicht und trauen sich nicht zu fragen. Dabei steht alles im Vertrag und im Gesetz. Lies deinen Vertrag einmal in Ruhe. Wer seine Rechte und Pflichten kennt, tritt selbstbewusster auf, im Betrieb und in der Prüfung.
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Den Betrieb präsentieren
Aufbau zeigen, sich selbst einordnen
Zum Lernfeld gehört, den eigenen Betrieb vorzustellen: Was stellt er her oder bietet er an, wie ist er aufgebaut (Organigramm), welche Ziele verfolgt er? Und du ordnest deine eigene Stelle darin ein: Wem unterstehst du, mit wem arbeitest du zusammen?
Stufe 3 · die PräsentationDen Betrieb präsentiert man heute mediengestützt, etwa mit einer Folienpräsentation. Wichtig sind klare Struktur, wenig Text pro Folie, gute Lesbarkeit und ein roter Faden. Das übt zugleich Fähigkeiten, die du im ganzen Berufsleben brauchst.
Eine gute Präsentation erklärt nicht alles, sie zeigt das Wichtigste. Der häufigste Anfängerfehler ist die volle Folie, die niemand liest, während der Vortragende sie vorliest. Eine Folie ist ein Plakat, kein Dokument: ein Gedanke, ein Bild, wenige Worte. Den Rest sagst du. Wer das beherzigt, hebt sich sofort ab, in der Schule und später im Job.
Das Arbeitsrecht und die Entgeltabrechnung vertiefst du in Lernfeld 8, die Rechtsformen und die Haftung in Lernfeld 9. Eine Übersicht aller Lernfelder gibt es in der Lernfeld-Übersicht für Büromanagement.