Kauffrau für Büromanagement · Lernfeld 10 · 3. Ausbildungsjahr

Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern

Was kostet ein Produkt wirklich, und was muss es kosten, damit der Betrieb Gewinn macht? Das ist die Kosten- und Leistungsrechnung. Hier lernst du, Kosten zu sortieren, den Selbstkostenpreis zu kalkulieren und auszurechnen, ab wann sich etwas lohnt. Das ist das Königsfach des dritten Jahres und kommt in der Prüfung sicher dran.

Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht

Tipp: Aufklappen zum Lesen. Auf eine Rechenkarte tippen zeigt das Ergebnis.

1

Kosten sortieren

Einzel und Gemein, fix und variabel
Stufe 1 · warum man Kosten sortiert
Erst ordnen, dann rechnen

Bevor man einen Preis kalkuliert, muss man die Kosten verstehen. Dafür sortiert man sie nach zwei Fragen: Lässt sich die Kostenart einem Produkt direkt zuordnen? Und: Ändert sie sich, wenn mehr produziert wird?

Stufe 2 · die zwei Begriffspaare
Vier Begriffe, die du sicher trennen musst
Einzelkosten

Direkt einem Produkt zurechenbar (Fertigungsmaterial, Akkordlohn). Man weiß genau, wie viel auf ein Stück entfällt.

Gemeinkosten

Nicht direkt zurechenbar (Miete, Verwaltung, Strom). Müssen über Zuschläge verteilt werden.

Fixe Kosten

Bleiben gleich, egal wie viel produziert wird (Miete, Gehälter). Fallen auch bei null Stück an.

Variable Kosten

Steigen mit der Menge (Material, Akkordlohn). Mehr Stück, mehr Kosten.

Miriams Klarstellung

Einzel und Gemein beantwortet eine andere Frage als fix und variabel. Einzel oder Gemein fragt: Kann ich es dem Stück direkt zuordnen? Fix oder variabel fragt: Ändert es sich mit der Menge? Das sind zwei verschiedene Brillen auf dieselben Kosten. Wer das durcheinanderbringt, scheitert an der ersten Kalkulationsaufgabe. Zwei Fragen, zwei Sortierungen, sauber getrennt halten.

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Vom Aufwand zu den Kosten

Abgrenzung, kalkulatorische Kosten, Betriebsergebnis
Stufe 2 · zwei Welten
Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung sind nicht dasselbe

Die Finanzbuchhaltung (aus LF 6) rechnet mit Aufwand und Ertrag fürs Finanzamt. Die Kostenrechnung rechnet mit Kosten und Leistungen für die interne Steuerung. Nicht jeder Aufwand ist betrieblicher Kostenaufwand, deshalb muss man abgrenzen.

Stufe 3 · kalkulatorische Kosten
Kosten, die keine Rechnung haben

Manche Kosten tauchen in der Buchhaltung gar nicht auf, gehören aber rechnerisch dazu:

  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn: der Chef zahlt sich kein Gehalt, seine Arbeit kostet aber trotzdem.
  • Kalkulatorische Abschreibung: nach betriebswirtschaftlichen, nicht steuerlichen Werten.
  • Kalkulatorische Zinsen und Miete: für eingesetztes eigenes Kapital oder eigene Räume.

Am Ende steht das Betriebsergebnis: Leistungen minus Kosten. Es zeigt den Erfolg aus der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit.

Miriams Praxisblick

Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist der wichtigste Selbstbetrug-Schutz für kleine Betriebe. Wer als Chef seine eigene Arbeit nicht einrechnet, hält den Betrieb für profitabel, obwohl er sich selbst nur ausbeutet. Genau das sehe ich in der Beratung oft. In der Prüfung punktest du, wenn du erklärst, warum diese Kosten ohne Rechnung trotzdem echte Kosten sind.

3

Die Zuschlagskalkulation

Vom Material zum Selbstkostenpreis
Stufe 2 · das Schema
So entsteht der Selbstkostenpreis

Die Gemeinkosten werden über Zuschläge auf die Einzelkosten verteilt. Das Grundschema im Industriebetrieb:

Fertigungsmaterial
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
+ Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten
= Fertigungskosten
= Herstellkosten (Material + Fertigung)
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
= Selbstkosten
Stufe 3 · jetzt wird gerechnet
Zuschläge und Selbstkosten
Aufgabe 1
Materialgemeinkosten-Zuschlag
Fertigungsmaterial 50.000 €, Materialgemeinkosten 7.500 €. Wie hoch ist der MGK-Zuschlagssatz in Prozent?
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Ergebnis
15 %
(7.500 / 50.000 · 100)
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Aufgabe 2
Materialkosten
Fertigungsmaterial 200 €, MGK-Zuschlag 15 %. Wie hoch sind die Materialkosten?
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Ergebnis
230,00 €
(200 + 30)
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Aufgabe 3
Selbstkosten
Herstellkosten 600 €, Verwaltungsgemeinkosten 10 %, Vertriebsgemeinkosten 5 %. Wie hoch sind die Selbstkosten?
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Ergebnis
690,00 €
(600 + 60 + 30)
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Miriams um-die-Ecke-Lösung

Ein Zuschlagssatz ist nichts anderes als Prozentrechnen. Zuschlag in Euro geteilt durch die Basis mal hundert, das ist der Satz. Und der Satz auf eine neue Basis angewendet ergibt den neuen Zuschlag. Wer das Schema einmal als reine Prozentrechnung erkennt, dem wird die Kalkulation plötzlich leicht. Die Verwaltungs- und Vertriebszuschläge rechnest du übrigens immer auf die Herstellkosten, nicht aufeinander.

4

Handelskalkulation

Vorwärts und rückwärts rechnen
Stufe 2 · zwei Richtungen
Je nachdem, was du suchst
Vorwärtskalkulation

Vom Einkaufspreis zum Verkaufspreis. Du kennst die Kosten und willst den Preis bestimmen.

Rückwärtskalkulation

Vom Verkaufspreis zum Einkaufspreis. Der Marktpreis steht fest, du prüfst, wie teuer du einkaufen darfst.

Das Grundgerüst: Listeneinkaufspreis minus Rabatt = Zieleinkaufspreis, minus Skonto plus Bezugskosten = Bezugspreis (Einstandspreis), plus Handlungskosten = Selbstkosten, plus Gewinn = Barverkaufspreis, plus Skonto und Rabatt = Listenverkaufspreis.

Stufe 3 · jetzt wird gerechnet
Kalkulationszuschlag und Handelsspanne
Aufgabe 4
Kalkulationszuschlag
Bezugspreis 80 €, Verkaufspreis (netto) 120 €. Wie hoch ist der Kalkulationszuschlag in Prozent?
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Ergebnis
50 %
(40 / 80 · 100)
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Aufgabe 5
Handelsspanne
Bezugspreis 80 €, Verkaufspreis (netto) 120 €. Wie hoch ist die Handelsspanne in Prozent vom Verkaufspreis?
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Ergebnis
33,33 %
(40 / 120 · 100)
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Miriams Klarstellung

Kalkulationszuschlag und Handelsspanne sind derselbe Euro-Betrag, aber von verschiedenen Basen gerechnet. Der Zuschlag rechnet vom Einkauf (kleinere Basis, größerer Prozentsatz), die Spanne vom Verkauf (größere Basis, kleinerer Prozentsatz). Deshalb sind es bei demselben Aufschlag 50 Prozent Zuschlag, aber nur 33,33 Prozent Spanne. Wer die Basis verwechselt, verrechnet sich garantiert. Das ist die Lieblingsfalle der Prüfung.

5

Deckungsbeitrag und Break-even

Ab wann lohnt sich etwas?
Stufe 2 · der Deckungsbeitrag
Was vom Verkaufspreis übrig bleibt

Der Deckungsbeitrag ist der Verkaufspreis minus die variablen Kosten. Er heißt so, weil er erst die fixen Kosten deckt und danach den Gewinn bildet.

Deckungsbeitrag pro Stück = Verkaufspreis − variable Stückkosten
Stufe 3 · der Break-even-Point
Die Gewinnschwelle

Der Break-even-Point ist die Menge, ab der ein Produkt Gewinn bringt. Bis dahin decken die Deckungsbeiträge nur die Fixkosten. Danach beginnt der Gewinn.

Break-even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Stück
Aufgabe 6
Deckungsbeitrag
Verkaufspreis 50 €, variable Stückkosten 30 €. Wie hoch ist der Deckungsbeitrag pro Stück?
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Ergebnis
20,00 €
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Aufgabe 7
Break-even-Menge
Fixkosten 40.000 €, Deckungsbeitrag pro Stück 20 €. Ab welcher Menge macht der Betrieb Gewinn?
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Ergebnis
2.000 Stück
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Miriams um-die-Ecke-Lösung

Der Deckungsbeitrag deckt zuerst die Fixkosten, dann erst kommt Gewinn. Stell dir vor, jedes verkaufte Stück legt 20 Euro auf einen Stapel, der die Fixkosten abtragen muss. Erst wenn der Stapel die Fixkosten erreicht (der Break-even), wandert jeder weitere Deckungsbeitrag in den Gewinn. Wer dieses Bild im Kopf hat, rechnet jede Break-even-Aufgabe richtig: Fixkosten geteilt durch den Beitrag, der sie abträgt.

IHK-Praxisbeispiel

"Ein Zusatzauftrag wird zu einem Preis unter den Selbstkosten angeboten. Soll der Betrieb annehmen?" Antwort: Solange der Preis über den variablen Kosten liegt, der Deckungsbeitrag also positiv ist, und freie Kapazität da ist, lohnt sich der Auftrag, weil er Fixkosten mitträgt. Genau diese Deckungsbeitrags-Argumentation wird erwartet.

Weiterlernen

Die Prozent- und Zuschlagsrechnung hinter der Kalkulation übst du ausführlich auf der Lernseite kaufmännisches Rechnen, dort gibt es ein komplettes Kapitel zur Handelskalkulation. Eine Übersicht aller Lernfelder findest du in der Lernfeld-Übersicht für Büromanagement.