Kauffrau für Büromanagement · Lernfeld 11 · 3. Ausbildungsjahr

Geschäftsprozesse darstellen und optimieren

Jeder Betrieb ist eine Maschine aus Abläufen. Hier lernst du, diese Abläufe sichtbar zu machen, Schwachstellen zu finden und sie besser zu machen. Vom Organigramm über das Prozessdiagramm bis zur ständigen Verbesserung. Das ist das Lernfeld, das dich lehrt, mit dem Blick einer Beraterin auf einen Betrieb zu schauen.

Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht

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Aufbauorganisation

Wer steht wo? Organigramm und Leitungssysteme
Stufe 1 · zwei Seiten einer Medaille
Aufbau und Ablauf

Organisation hat zwei Seiten. Die Aufbauorganisation regelt, wer was macht und wer wem untersteht (das Gerüst). Die Ablauforganisation regelt, in welcher Reihenfolge die Arbeit läuft (die Bewegung). Hier geht es zuerst um den Aufbau.

Stufe 2 · das Organigramm
Der Betrieb auf einen Blick

Ein Organigramm zeigt die Stellen und ihre Über- und Unterordnung:

Geschäftsführung
Einkauf Vertrieb Verwaltung
Stufe 3 · Leitungssysteme
Wer darf wem etwas sagen?
Einliniensystem

Jeder hat genau einen Vorgesetzten. Klar, aber langsam, weil alles den Dienstweg geht.

Mehrliniensystem

Mehrere Vorgesetzte je nach Fachgebiet. Schneller, aber Gefahr widersprüchlicher Anweisungen.

Stabliniensystem

Einliniensystem plus Stabsstellen, die beraten, aber nicht weisungsbefugt sind.

Miriams Eselsbrücke

Aufbau ist das Skelett, Ablauf ist die Bewegung. Das Organigramm zeigt das Skelett, wer wo sitzt. Das Prozessdiagramm zeigt die Bewegung, wie die Arbeit fließt. Und beim Liniensystem zählst du einfach die Chefs: eine Linie, ein Chef. Mehrere Linien, mehrere Chefs. Der Stab steht daneben und redet rein, darf aber nicht befehlen. Diese Bilder ersparen dir das Auswendiglernen.

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Was ein Geschäftsprozess ist

Kernprozess, Unterstützungsprozess, Schnittstellen
Stufe 1 · der Begriff
Eine Kette von Tätigkeiten mit einem Ziel

Ein Geschäftsprozess ist eine Folge von Tätigkeiten, die aus einem Auslöser ein Ergebnis macht. Beispiel: Aus der Kundenbestellung (Auslöser) wird über mehrere Schritte die gelieferte Ware (Ergebnis).

Stufe 2 · zwei Arten
Kern und Unterstützung
Kernprozesse

Bringen direkt Wert für den Kunden (Einkauf, Produktion, Verkauf). Damit verdient der Betrieb sein Geld.

Unterstützungsprozesse

Halten den Laden am Laufen, ohne direkt Wert zu schaffen (Buchhaltung, Personal, IT).

Stufe 3 · Schnittstellen
Wo Prozesse sich berühren

An Schnittstellen wird ein Vorgang von einer Stelle an die nächste übergeben (vom Vertrieb ans Lager). Genau hier passieren die meisten Fehler: Informationen gehen verloren, etwas bleibt liegen. Wer Schnittstellen im Blick hat, findet die Schwachstellen.

Miriams Praxisblick

An den Schnittstellen liegt das Geld auf der Straße. Innerhalb einer Abteilung läuft meist alles glatt, aber bei der Übergabe an die nächste hakt es: Der Vertrieb weiß nicht, was das Lager braucht, die Buchhaltung wartet auf einen Beleg, der noch im Posteingang liegt. Genau das suche ich in der Beratung zuerst. Wer in der Prüfung Schwachstellen an Schnittstellen erkennt, denkt wie eine Beraterin.

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Prozesse darstellen

Ablaufdiagramm und ereignisgesteuerte Prozesskette
Stufe 2 · warum aufmalen?
Was man sieht, kann man verbessern

Ein Prozess im Kopf ist schwer zu prüfen. Aufgemalt sieht jeder, wo es klemmt. Zwei gängige Darstellungen sind das Ablaufdiagramm (Flussdiagramm) und die ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK).

Stufe 3 · die EPK
Ereignis, Funktion, Ereignis im Wechsel

Die EPK wechselt immer zwischen Ereignis (ein Zustand, gelb) und Funktion (eine Tätigkeit, blau). Ein Ereignis löst eine Funktion aus, die Funktion führt zu einem neuen Ereignis:

Bestellung eingegangen Ware kommissionieren Ware bereit Ware versenden Ware geliefert
Miriams Eselsbrücke

In der EPK wechseln sich Ereignis und Funktion ab wie Ampel und Fahren. Ein Ereignis ist ein Zustand (etwas ist passiert), eine Funktion ist eine Tätigkeit (etwas wird getan). Sie folgen immer abwechselnd: Zustand, Tat, Zustand, Tat. Wenn zwei Ereignisse oder zwei Funktionen direkt hintereinander stehen, hast du einen Fehler. Diese Regel macht die EPK leicht zu prüfen.

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Schwachstellen finden und optimieren

Ist-Aufnahme, Schwachstellenanalyse, KVP
Stufe 1 · der erste Schritt
Erst hinschauen, wie es wirklich läuft

Bevor man etwas verbessert, macht man eine Ist-Aufnahme: Wie läuft der Prozess heute tatsächlich? Nicht wie er laufen sollte, sondern wie er wirklich ist. Erst dann sieht man die Schwachstellen: Doppelarbeit, Wartezeiten, unnötige Wege, Medienbrüche.

Stufe 2 · der KVP
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess

Verbesserung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Dauerlauf. Der KVP setzt auf viele kleine Schritte statt einen großen Wurf. Das bekannteste Werkzeug ist der PDCA-Zyklus:

Plan (planen) Do (umsetzen) Check (prüfen) Act (anpassen)
IHK-Praxisbeispiel

"Eine Rechnung durchläuft drei Abteilungen und bleibt oft tagelang liegen. Nennen Sie eine Schwachstelle und einen Optimierungsvorschlag." Schwachstelle: Liegezeiten an den Schnittstellen. Vorschlag: digitaler Workflow mit klarer Zuständigkeit und Frist. Genau diese Art von Schwachstelle-plus-Lösung wird erwartet.

Miriams um-die-Ecke-Lösung

Verbessern heißt nicht schneller arbeiten, sondern Unnötiges weglassen. Die meisten Schwachstellen sind keine faulen Mitarbeiter, sondern überflüssige Schritte, Wartezeiten und Doppelarbeit. Frag bei jedem Prozessschritt: Braucht es den wirklich? Was wegfällt, muss nicht optimiert werden. Diese Haltung trennt in der Prüfung die Wortgläubigen von denen, die Prozesse wirklich verstehen.

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Qualitätsmanagement

Qualität sichern, Normen, Zertifizierung
Stufe 2 · drei Begriffe, die zusammengehören
Von der Kontrolle zum System
Qualitätskontrolle

Prüfen, ob das Ergebnis stimmt. Findet Fehler erst, wenn sie da sind.

Qualitätssicherung

Vorbeugen, damit Fehler gar nicht erst entstehen. Setzt früher an.

Qualitätsmanagement

Die ganze Firma denkt Qualität mit, in allen Prozessen, dauerhaft.

Stufe 3 · die Norm
DIN EN ISO 9001 und Zertifizierung

Die bekannteste Norm fürs Qualitätsmanagement ist die ISO 9001. Ein Betrieb kann sich nach ihr zertifizieren lassen, ein Prüfer bestätigt dann, dass das QM-System den Anforderungen entspricht. Das schafft Vertrauen bei Kunden.

Miriams Klarstellung

Kontrolle findet Fehler, Sicherung verhindert sie, Management lebt Qualität. Das ist die Steigerung: Die Kontrolle schaut hinterher, die Sicherung schaut vorher, das Management macht Qualität zur Haltung der ganzen Firma. Wer diese drei Stufen in der richtigen Reihenfolge erklären kann, zeigt, dass er das Prinzip verstanden hat und nicht nur Begriffe kennt.

Weiterlernen

Die Grundlagen der Bürokoordination und des Zeitmanagements, auf denen die Prozessoptimierung aufbaut, findest du in Lernfeld 2. Eine Übersicht aller Lernfelder gibt es in der Lernfeld-Übersicht für Büromanagement.