Kauffrau für Büromanagement · Lernfeld 6 · 2. Ausbildungsjahr

Werteströme erfassen und beurteilen

Jetzt geht es ans Rechnungswesen. Hier lernst du, jeden Geschäftsfall im Betrieb richtig zu verbuchen, von der Inventur über die Bilanz bis zum fertigen Buchungssatz. Das Thema sieht groß aus, ist aber logisch aufgebaut. Wenn du einmal verstanden hast, wie Soll und Haben funktionieren, fällt der Rest wie Dominosteine.

Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht

Tipp: Aufklappen zum Lesen. Auf eine Buchungskarte tippen zeigt den Buchungssatz.

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Wozu überhaupt Buchführung?

Aufgaben, gesetzliche Grundlagen, GoB
Stufe 1 · das Bekannte
Du führst längst Buch, nur privat

Wenn du am Monatsende schaust, was reinkam und was rausging, machst du Buchführung im Kleinen. Ein Betrieb muss das nur viel genauer und lückenlos tun. Buchführung ist die planmäßige Aufzeichnung aller Geschäftsfälle in Zahlen.

Stufe 2 · wofür der Betrieb sie braucht
Vier Aufgaben

  • Überblick: Wie steht der Betrieb da, was gehört ihm, was schuldet er?
  • Erfolg messen: Gewinn oder Verlust?
  • Beweismittel: bei Streit mit Kunden oder Lieferanten.
  • Grundlage der Steuer: das Finanzamt rechnet auf Basis der Buchführung.

Stufe 3 · wer das vorschreibt
Die gesetzlichen Grundlagen und die GoB

Die Pflicht steht im Handelsgesetzbuch (HGB) und in der Abgabenordnung (AO). Dazu kommen die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB): vollständig, richtig, zeitgerecht, geordnet, nachvollziehbar. Eine zentrale Regel: keine Buchung ohne Beleg.

Miriams Merksatz

Keine Buchung ohne Beleg. Dieser eine Satz ist das Fundament der ganzen Buchführung. Jeder Eintrag muss durch ein Dokument belegt sein, Rechnung, Quittung, Kontoauszug. Wer das verinnerlicht, versteht, warum Belegorganisation kein Papierkram ist, sondern Pflicht. Und genau das fragt die Prüfung gern als ersten, scheinbar leichten Punkt.

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Inventur, Inventar, Bilanz

Zählen, auflisten, gegenüberstellen
Stufe 1 · die drei Begriffe in der richtigen Reihenfolge
Erst zählen, dann auflisten, dann gegenüberstellen

  • Inventur: die Tätigkeit. Alles zählen, messen, wiegen. Die körperliche Bestandsaufnahme.
  • Inventar: das Ergebnis. Ein ausführliches Verzeichnis aller Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert, in Staffelform (untereinander).
  • Bilanz: die Kurzfassung. Eine zweiseitige Gegenüberstellung in Kontoform.

Stufe 2 · die Bilanz lesen
Zwei Seiten, eine Frage

Die Bilanz hat zwei Seiten, die immer gleich groß sind:

Bilanz
AktivaPassiva
Vermögen
(was habe ich?)

Wofür wurde das Geld verwendet?
Kapital
(woher kommt es?)

Woher stammt das Geld?

Links (Aktiva) das Vermögen, also die Verwendung des Geldes. Rechts (Passiva) das Kapital, also die Herkunft des Geldes. Beide Seiten sind immer gleich, weil jedes Vermögen irgendwoher finanziert sein muss.

Stufe 3 · die vier Bilanzveränderungen
Jeder Geschäftsfall verändert die Bilanz, aber sie bleibt im Gleichgewicht

Es gibt genau vier Möglichkeiten, wie ein Geschäftsfall die Bilanz verändert:

  • Aktivtausch: nur auf der Aktivseite, Summe bleibt gleich (Bargeld wird zu Ware).
  • Passivtausch: nur auf der Passivseite (Lieferantenschuld wird zu Bankschuld).
  • Aktiv-Passiv-Mehrung (Bilanzverlängerung): beide Seiten werden größer (Ware auf Ziel gekauft).
  • Aktiv-Passiv-Minderung (Bilanzverkürzung): beide Seiten werden kleiner (Schuld per Bank bezahlt).

Miriams Eselsbrücke

Aktiva ist die Verwendung, Passiva die Herkunft. Merk dir: rechts kommt das Geld her, links geht es hin. Und die Bilanz ist immer ausgeglichen, das ist keine Glückssache, sondern Systemzwang. Wenn deine beiden Seiten nicht gleich sind, hast du einen Fehler gemacht, nicht die Buchführung. Genau dieser Selbstcheck rettet dich in der Prüfung.

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Soll und Haben verstehen

Das Herzstück, von der Bilanz zu den Konten
Stufe 1 · der häufigste Irrtum zuerst
Soll heißt nicht schulden, Haben heißt nicht besitzen

Vergiss die Alltagsbedeutung der Wörter. In der Buchführung sind Soll (links) und Haben (rechts) einfach die zwei Seiten eines Kontos. Mehr nicht. Sie sagen nichts über Schulden oder Besitz aus.

Stufe 2 · die Konten aus der Bilanz herleiten
Jedes Konto erbt seine Seite von der Bilanz

Ein Konto sieht aus wie ein T. Links Soll, rechts Haben. Auf welcher Seite ein Konto anfängt (sein Anfangsbestand), hängt davon ab, wo es in der Bilanz steht:

Aktivkonto (z. B. Kasse)
SollHaben
Anfangsbestand
Zugänge (+)
Abgänge (−)
Schlussbestand
Passivkonto (z. B. Bankdarlehen)
SollHaben
Abgänge (−)
Schlussbestand
Anfangsbestand
Zugänge (+)
Stufe 3 · die goldene Regel
Wie ein Konto sich vermehrt

Aktivkonten (Vermögen) starten links im Soll und vermehren sich links. Passivkonten (Kapital, Schulden) starten rechts im Haben und vermehren sich rechts. Die Anfangsseite ist immer die Mehrungsseite.

Miriams Eselsbrücke

Aktiv ist links, das passt zum A am Anfang des Alphabets, links der Anfang. Aktivkonten mehren sich im Soll (links), Passivkonten im Haben (rechts). Wo ein Konto in der Bilanz steht, da fängt es auch auf dem Konto an und da wächst es. Wer diese eine Regel sitzen hat, kann jeden Buchungssatz selbst herleiten, statt ihn auswendig zu lernen.

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Der Buchungssatz

Soll an Haben, Geschäftsfälle verbuchen
Stufe 1 · die Form
Immer Soll an Haben

Jeder Buchungssatz heißt: Sollkonto an Habenkonto, Betrag. Das Wörtchen "an" trennt die beiden. Beispiel: "Kasse an Forderungen 500 €" bedeutet, im Soll der Kasse 500, im Haben der Forderungen 500.

Stufe 2 · die vier Schritte
So findest du jeden Buchungssatz

  • 1. Welche zwei Konten sind betroffen?
  • 2. Sind es Aktiv- oder Passivkonten?
  • 3. Werden sie mehr oder weniger?
  • 4. Daraus ergibt sich Soll und Haben.

Stufe 3 · üben, üben, üben
Geschäftsfall vorne, Buchungssatz hinten
Buchung 1
Bareinzahlung
Ein Kunde zahlt eine offene Rechnung über 500 € bar in die Kasse.
Zum Buchungssatz tippen
Buchungssatz
Kasse
an Forderungen a. LL
500 €
Zurück tippen
Buchung 2
Bargeld zur Bank
Es werden 800 € aus der Kasse auf das Bankkonto eingezahlt.
Zum Buchungssatz tippen
Buchungssatz
Bank
an Kasse
800 €
Zurück tippen
Buchung 3
Schuld bezahlen
Eine Lieferantenrechnung über 1.200 € wird per Bank überwiesen.
Zum Buchungssatz tippen
Buchungssatz
Verbindlichkeiten a. LL
an Bank
1.200 €
Zurück tippen
Buchung 4
Zusammengesetzter Satz
Wareneinkauf auf Ziel: 1.000 € netto plus 190 € Umsatzsteuer (19 %).
Zum Buchungssatz tippen
Buchungssatz
Wareneingang 1.000 €
Vorsteuer 190 €
an Verbindl. a. LL 1.190 €
Zurück tippen
Miriams um-die-Ecke-Lösung

Buchungssätze lernt man nicht auswendig, man leitet sie her. Frag dich immer: Welche zwei Konten? Mehr oder weniger? Dann ergibt sich Soll und Haben von selbst aus der goldenen Regel. Wer auswendig lernt, scheitert am ersten ungewohnten Geschäftsfall. Wer herleitet, löst jeden. Das ist der Unterschied zwischen Bestehen und Glänzen.

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Erfolgskonten und GuV

Aufwand, Ertrag, Gewinn und Verlust
Stufe 2 · zwei neue Kontenarten
Nicht alles ist Bestand

Bisher ging es um Bestandskonten (Vermögen, Schulden). Jetzt kommen die Erfolgskonten dazu. Sie zeigen nicht, was da ist, sondern was der Betrieb verdient oder ausgibt:

  • Aufwand: mindert den Gewinn (Miete, Löhne, Wareneinsatz). Bucht im Soll.
  • Ertrag: mehrt den Gewinn (Umsatzerlöse, Zinserträge). Bucht im Haben.

Stufe 3 · die GuV
Wo Gewinn und Verlust zusammenlaufen

Alle Erfolgskonten werden am Jahresende über das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) abgeschlossen. Steht am Ende mehr Ertrag als Aufwand, gibt es Gewinn, der das Eigenkapital erhöht. Mehr Aufwand als Ertrag bedeutet Verlust, der das Eigenkapital mindert.

Miriams Eselsbrücke

Aufwand bucht wie ein Aktivkonto, im Soll. Ertrag bucht wie ein Passivkonto, im Haben. Das ist kein Zufall: Aufwand frisst Eigenkapital (steht rechts), also bucht er gegenläufig im Soll. Ertrag füttert das Eigenkapital, also im Haben. Wer den Zusammenhang zum Eigenkapital sieht, muss nichts auswendig lernen.

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Die Umsatzsteuer buchen

Vorsteuer, Umsatzsteuer, Zahllast
Stufe 1 · der Grundgedanke
Der Betrieb ist nur Durchreicher

Die Umsatzsteuer gehört nicht dem Betrieb, er zieht sie nur für das Finanzamt ein. Beim Einkauf zahlt er Steuer (Vorsteuer), beim Verkauf kassiert er Steuer (Umsatzsteuer). Die Differenz führt er ab.

Stufe 2 · die zwei Konten
Vorsteuer und Umsatzsteuer

  • Vorsteuer: beim Einkauf gezahlt. Eine Forderung ans Finanzamt. Bucht im Soll.
  • Umsatzsteuer: beim Verkauf kassiert. Eine Schuld ans Finanzamt. Bucht im Haben.

Stufe 3 · die Zahllast
Was am Ende ans Finanzamt geht

Am Monatsende werden beide Konten verrechnet: Umsatzsteuer minus Vorsteuer = Zahllast. Ist die kassierte Umsatzsteuer höher als die gezahlte Vorsteuer, muss der Betrieb die Differenz ans Finanzamt zahlen.

IHK-Praxisbeispiel

"Ein Betrieb hat im Monat 1.900 € Umsatzsteuer kassiert und 1.330 € Vorsteuer gezahlt. Wie hoch ist die Zahllast?" Antwort: 1.900 − 1.330 = 570 € an das Finanzamt. Genau so wird es gefragt, manchmal mit dem Buchungssatz "Umsatzsteuer an Vorsteuer und Bank".

Miriams Klarstellung

Die Umsatzsteuer ist für den Betrieb ein durchlaufender Posten, kein Gewinn und kein Verlust. Viele Azubis denken, die Mehrwertsteuer sei eine Last für die Firma. Falsch, sie zahlt am Ende der Endverbraucher. Der Betrieb ist nur Kassierer für den Staat. Wer das verstanden hat, bucht Vorsteuer und Umsatzsteuer nie mehr verkehrt herum.

Weiterlernen

Das Prozentrechnen hinter der Umsatzsteuer (netto, brutto, durch 1,19) übst du auf der Lernseite kaufmännisches Rechnen. Wie es im dritten Jahr mit der Kosten- und Leistungsrechnung weitergeht, siehst du in Lernfeld 10 und in der Lernfeld-Übersicht für Büromanagement.