Liquidität sichern und Finanzierung vorbereiten
Ein Betrieb kann Gewinn machen und trotzdem pleitegehen, wenn das Geld nicht zum richtigen Zeitpunkt da ist. Genau darum geht es hier: Zahlungsfähigkeit sichern, offene Forderungen eintreiben und die richtige Finanzierung wählen. Das ist Rechnen mit direktem Bezug zum Überleben einer Firma.
Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht
Tipp: Aufklappen zum Lesen. Auf eine Rechenkarte tippen zeigt das Ergebnis.
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Was Liquidität bedeutet
Zahlungsfähigkeit, der Unterschied zum Gewinn
Ein Betrieb kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem zahlungsunfähig sein, weil das Geld in offenen Rechnungen oder im Lager steckt. Liquidität heißt: jederzeit die fälligen Rechnungen bezahlen können. Wer das nicht kann, ist zahlungsunfähig, und das führt schnell zur Insolvenz.
Stufe 2 · die zwei Gefahren
- Unterliquidität: nicht genug Geld, Rechnungen können nicht bezahlt werden. Existenzgefahr.
- Überliquidität: zu viel ungenutztes Geld liegt herum. Das bringt keine Erträge und schmälert die Rentabilität.
Das Ziel ist die goldene Mitte: genug Geld für die Rechnungen, aber nicht mehr als nötig.
Gewinn ist eine Meinung, Liquidität ist eine Tatsache. Den Gewinn kann man durch Bewertungen beeinflussen, aber ob am Monatsende das Geld für die Löhne da ist, ist knallhart. Genau deshalb ist Liquidität für kleine Betriebe oft wichtiger als Gewinn. Wer diesen Unterschied im Prüfungsgespräch erklären kann, zeigt echtes kaufmännisches Verständnis.
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Die Liquiditätsgrade berechnen
1., 2. und 3. Grad, die Formeln
Man misst die Zahlungsfähigkeit in drei Stufen. Je höher der Grad, desto mehr Vermögen wird einbezogen:
Faustwerte: Der 2. Grad sollte etwa 100 Prozent erreichen (die kurzfristigen Schulden sind durch Geld und Forderungen gedeckt), der 3. Grad deutlich über 100 Prozent liegen.
Stufe 3 · jetzt wird gerechnetJe höher der Grad, desto mehr darf mitzählen. Erst nur das Bargeld (1. Grad), dann zusätzlich die Forderungen (2. Grad), dann das ganze Umlaufvermögen samt Lager (3. Grad). Die Zahlen werden von Grad zu Grad größer, weil immer mehr dazukommt. Wer das so denkt, verwechselt die Formeln nie wieder.
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Forderungsmanagement und Mahnwesen
Offene Rechnungen eintreiben, Verzugszinsen
Wenn Kunden nicht zahlen, fehlt dem Betrieb Liquidität. Das Forderungsmanagement sorgt dafür, dass offene Rechnungen auch wirklich bezahlt werden, ohne die Kundenbeziehung unnötig zu belasten.
Stufe 2 · das MahnwesenDer kaufmännische Weg: zuerst eine freundliche Zahlungserinnerung, dann eine oder mehrere Mahnungen. Hilft das nichts, folgt das gerichtliche Mahnverfahren (Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid). Wichtig: Rechtlich reicht eine Mahnung, um den Schuldner in Verzug zu setzen, mehr sind reine Kulanz.
Stufe 3 · VerzugszinsenAb Verzug darf der Gläubiger Verzugszinsen verlangen. Sie werden mit der Zinsformel berechnet: Betrag mal Zinssatz mal Tage durch 36.000 (bei kaufmännischer Zinsrechnung mit 360 Tagen).
(6.000 · 9 · 60 / 36.000)
Einmal mahnen reicht dem Recht, dreimal mahnen ist nur nett. Die verbreitete Annahme, man müsse dreimal mahnen, stimmt rechtlich nicht. Eine Mahnung genügt, um Verzug auszulösen, oft braucht es nicht einmal die. Die zusätzlichen Mahnungen sind Kundenpflege, keine Pflicht. Genau diese Unterscheidung wird in der Prüfung gern abgefragt.
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Skonto nutzen oder nicht?
Die Vorteilhaftigkeit rechnen
Wer früh zahlt, bekommt Skonto. Aber wenn das Geld gerade fehlt, könnte man dafür sogar einen kurzfristigen Kredit aufnehmen. Lohnt sich das? Die Antwort ist fast immer ja, weil Skonto auf wenige Tage gerechnet einem extrem hohen Jahreszins entspricht.
Stufe 3 · jetzt wird gerechnetzu zahlen: 4.850 €
(3 % · 360 / 20)
Skonto ist der teuerste Rabatt, den du liegen lässt. 3 Prozent klingen klein, aber sie gelten für nur 20 Tage. Aufs Jahr hochgerechnet sind das über 50 Prozent Zinsen, die du dir schenkst, wenn du nicht skontierst. Deshalb lohnt sich fast jeder Kredit, um Skonto zu ziehen. Diese Hochrechnung auf den Jahreszins ist die Lieblingsfalle der Prüfer, und wer sie kennt, glänzt.
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Finanzierungsarten
Darlehen, Kontokorrentkredit, Factoring, Bonität
Festdarlehen
Während der Laufzeit zahlt man nur Zinsen, die ganze Summe wird am Ende auf einmal getilgt.
Tilgungsdarlehen
Gleichbleibende Tilgung, die Zinsen sinken mit der Restschuld. Die Rate wird über die Zeit kleiner.
Annuitätendarlehen
Gleichbleibende Rate. Anfangs viel Zins, wenig Tilgung, später dreht sich das Verhältnis um.
Kontokorrentkredit
Das Konto darf bis zu einem Limit überzogen werden. Flexibel und jederzeit verfügbar, aber teuer.
- Factoring: Der Betrieb verkauft seine offenen Forderungen an einen Dienstleister und bekommt sofort Geld, statt auf die Zahlung der Kunden zu warten. Verbessert die Liquidität.
- Bonitätsprüfung: Bevor eine Bank Kredit gibt (oder ein Betrieb auf Ziel liefert), prüft sie die Kreditwürdigkeit des Kunden. Kann er zurückzahlen?
Beim Festdarlehen bleibt die Schuld fest bis zum Schluss, beim Tilgungsdarlehen tilgst du gleichmäßig, beim Annuitätendarlehen bleibt die Rate (die Annuität) gleich. Der Name verrät jeweils, was gleich bleibt. Wer auf das Wort achtet, ordnet die drei Darlehensarten sofort richtig zu.
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Rechtsformen und Haftung
Einzelunternehmen, KG, GmbH
Die Rechtsform entscheidet über Haftung, Geschäftsführung und Gewinnverteilung. Für die Finanzierung ist vor allem die Haftung wichtig, denn sie sagt, wer im Notfall mit was geradesteht.
Einzelunternehmen
Eine Person, allein verantwortlich. Haftet voll, auch mit dem Privatvermögen.
KG
Komplementär haftet voll (auch privat), Kommanditist nur mit seiner Einlage.
GmbH
Eigene juristische Person. Haftung beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen, mindestens 25.000 € Stammkapital.
"Worin liegt der zentrale Unterschied in der Haftung zwischen einem Einzelunternehmer und einem GmbH-Gesellschafter?" Antwort: Der Einzelunternehmer haftet unbeschränkt, auch mit seinem Privatvermögen. Der GmbH-Gesellschafter haftet nur mit seiner Einlage, das Privatvermögen bleibt geschützt. Genau diese Gegenüberstellung wird erwartet.
Das Wort beschränkt in GmbH meint die Haftung, nicht die Firma. Bei der GmbH ist das Risiko aufs Firmenvermögen begrenzt, das Privathaus des Chefs bleibt außen vor. Beim Einzelunternehmer ist alles eins, Firma und Privat. Wer im Notfall haftet, ist die entscheidende Frage, und genau daran erkennt man in der Prüfung, ob jemand die Rechtsformen verstanden hat.
Die Zinsrechnung und das Prozentrechnen hinter Skonto und Verzugszinsen übst du auf der Lernseite kaufmännisches Rechnen. Wie es mit der Kosten- und Leistungsrechnung weitergeht, siehst du in Lernfeld 10 und in der Lernfeld-Übersicht für Büromanagement.